Der verlorene Sohn

Regie: Joel Edgerton
USA 2018 • FSK: ab 12 Jahren • 115 min

Das Drama erzählt die ergreifende und wahre Geschichte des 19-jährigen Jared, der in einem Baptistenprediger-Haushalt in den amerikanischen Südstaaten aufwächst. Als sein streng gläubiger Vater (Russell Crowe) von der Homosexualität seines Sohnes erfährt, drängt er ihn zur Teilnahme an einer fragwürdigen Reparativtherapie. Vor die Wahl gestellt, entweder seine Identität oder seine Familie und seinen Glauben zu riskieren, lässt er sich notgedrungen auf die absurde Behandlung ein. Seine Mutter (Nicole Kidman) begleitet Jared zu der abgeschotteten Einrichtung, deren selbst ernannter Therapeut Viktor Sykes ein entwürdigendes und unmenschliches Umerziehungsprogramm leitet.

Basierend auf dem gefeierten, autobiografischen Roman „Boy Erased“ von Garrard Conley, erzählt das starbesetzte Drama eindrucksvoll von den erschütternden Zuständen im Bible Belt der USA. Und vom mutigen Kampf eines jungen Mannes gegen Homophobie und für ein selbstbestimmtes Leben.
Es ist die zweite Regiearbeit des australischen Schauspielers Joel Edgerton, der vor und hinter der Kamera immer wieder ein besonderes Gespür für die inneren Kämpfe von Außenseitern gezeigt hat. In einem Film, der ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die fragwürdigen Praktiken der Umerziehung ist, hat er selbst mutig die Rolle des unnachgiebig fanatischen Therapeuten übernommen. Darüber hinaus hat er auch das Drehbuch geschrieben und fungiert als Co-Produzent.

FBW-Urteil: Besonders wertvoll:
Die Jury würdigt DER VERLORENE SOHN als einen sensiblen Film zum Gender-Thema, in dem Schuldgefühle eine nicht zu übersehene Rolle einnehmen. Jared fühlt sich seiner Familie verpflichtet, der Vater seinem Glauben und die Mutter ist hin- und hergerissen zwischen traditioneller Rolle und ihrem Gewissen. Der psychische Druck ist immens und immer muss seelischer Verzicht geübt werden, immer kommt etwas persönlich Wesentliches zu kurz. Dass das Szenario funktioniert, ist auch der hervorragenden Besetzung zu verdanken. Sogar in deren finstersten Momenten können die Zuschauer immer mit den Charakteren mitfühlen. Russell Crowe, der hier ganz uncharakteristisch unphysisch als Vater auftritt, und Lucas Hedges als selbstzweifelnder Sohn Jared agieren dabei mit großer Glaubwürdigkeit.

Demnächst in der Schauburg

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