ab Donnerstag, 30.Januar

Sorry We Missed You

Regie: Ken Loach
Großbritannien/Frankreich/Belgien 2019 • 110 min

Ricky Turner und seine Familie kämpfen gegen die Folgen der Finanzkrise des Jahres 2008. Die Familie hat Schulden, der Vater will ein Franchise als selbstständiger Fahrer eines Lieferservices betreiben und hofft, hierdurch ein wenig von seiner Unabhängigkeit zurückzuerlangen. Doch die Bedingungen in der schönen neuen Arbeitswelt sind gnadenlos.

Mit größter Genauigkeit beschreibt Loach die Strukturen der modernen Gig Economy, bei der Arbeitnehmern die Vorzüge der Selbstständigkeit vorgegaukelt werden, die jedoch in Wirklichkeit zu einer Reduzierung von Sozialstandards und Arbeiterrechten führt. Im neoliberalen Streben nach ständiger Optimierung und Einsparung, werden alle Mittel angewandt, um Arbeitnehmer zu benachteiligen: Die mobile Krankenschwester Abbie wird etwa nicht nach Stunden bezahlt, sondern pro Patienten. Die Fahrzeiten dazwischen sind somit nicht entlohnt, das Zeitfenster für jede Patientin wird dazu immer kleiner, die Erwartungen dennoch immer größer. Dass das nicht ewig so weitergehen kann, das den Einsparmöglichkeiten Grenzen gesetzt sind, wird immer deutlicher. Schon immer (und das ist in diesem Fall eine Karriere, die bis in die 60er Jahre zurückreicht) war Ken Loach ein Regisseur des kleinen Mannes. Wie so viele andere britische Filmemacher, die dem Sozialrealismus verschrieben waren, beschrieb auch Loach das Leben der Arbeiterklasse, hatte Sympathien für all die Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen und auch vom Kino meist ignoriert werden.

Demnächst in der Schauburg

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